• Gernot Uhl

Vivienne Westwood: Piratenbraut und Punkerin

Wie wir von der englischen Modedesignerin lernen können, sowohl unkonventionell als auch verantwortungsbewusst leben zu können



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Sie könnte die Großmuttere von Greta Thunberg sein: Vivienne Westwood. Die Modedesignerin blickt auf ein Leben als Rebellin zurück. Natürlich ging es ihr in erster Linie um genähte Skandale: Provokante Schnitte aus prüden Stoffen, Gummi-Anzüge und Porno-T-Shirts: Westwood hat immer wieder für Furore gesorgt. Sie hat für die ersten Punks geschneidert und Klamotten für Großstadtpiraten entworfen. Heute liegt ihr die Mode-Welt zu Füßen, wenn sie ihre neue Kollektionen vorstellt. Ihren Einfluss nutzt sie, um sich für Natur- und Klimaschutz zu engagieren.


Vivienne Westwood (geboren 1941) wäre fast eine brave englische Hausfrau geworden. Eigentlich ist sie es sogar gewesen, ganz kurz zumindest: Sie hat als Lehrerin gearbeitet, geheiratet und einen kleinen Jungen auf die Welt gebracht. Dann schmeißt sie ihr bürgerliches Leben hin, um ihrer inneren Berufung zu folgen: Vivienne Westwood will Mode machen. Seit klein auf stickt und strickt, häkelt und näht sie leidenschaftlich gerne. Stoffe und Schnitte bedeuten ihr mehr als das Gerede der Leute.

Gerne reden hört sie Malcom McLaren. Malcolm hat ein blass-weißes Milchbubengesicht, wilde feuerfarbene Locken und noch wildere Gedanken. Er spricht immerzu von Anarchie und begeistert Vivienne für seine Autoritätsverachtung. Mit ihm macht Vivienne eine Boutique auf, die dauernd mit neuen Klamotten und Namen aufmacht: LET IT ROCK bedient die Teddy Boys der Generation Rock'n'Roll, Too fast to live too young to die lockt die Fans der schmuddeligen Leinwandhelden um James Dean an. Mit der Wiedereröffnung als Punk-Boutique SEX erreicht Vivienne Westwood den ersten Höhepunkt ihrer Karriere.

Sie ist die Schneiderin der Anarchisten, kleidet die Punkrockband Sex Pistols ein und treibt es ziemlich bunt: Micky und Minnie Maus lieben sich auf ihren T-Shirts ungeniert und heftig.

Und was erst Schneewittchen mit den sieben Zwergen anstellt: Unerhört! Dazu Gummi-Klamotten und Fetisch-Masken. Vivienne Westwood weiß, wie sie die feine englische Gesellschaft schockiert. Noch ist sie nicht mehr als eine schräge Kultschneiderin. Das ändert sich Mitte der 1980er Jahre mit ihrer ersten echten Mode-Kollektion. Piraten der Großstädte will sie auf den Laufsteg schicken. Mit gestreiften Plunderhosen und goldglänzenden Mänteln, locker sitzenden Faltenröcke in kräftigem Orange, keck verknoteten Schärpen, Musselin-Strümpfen und kunstvoll zerknitterten, leuchtend rote Wildlederstiefeln mit Schnallen entert Vivienne Westwood die professionelle Mode-Branche. Ihre Boutique – nun einem Freibeuter-Schiff nachempfunden – findet ihr bislang letztes Outfit als Worlds End. Vivienne Westwood dagegen hat sich seither immer wieder neu erfunden, ohne ihrer rebellischen Art untreu zu werden. Ihre Kollektionen gehören nach wie vor zum besten, was die Haute Coiture zu bieten hat. Ihr Ansehen (und Teile ihres Vermögens) stellt sie in den Dienst einer selbstauferlegten gesellschaftlichen Mission als Retterin des Regenwaldes und Arktis-Aktivistin. Vivienne Westwood hat nie aufgehört, Missstände anzuprangen und dagegen anzugehen nur die Mittel haben sich mit der Zeit gewandelt.


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