• Gernot Uhl

Buchtipp: Ulla Lohmann, Ich mach das jetzt

Abenteuer Vulkan: Ulla Lohmann verwebt Wissenschaft und Gefühl, Dramatik und Liebe in einer kurzweiligen Lebensreportage


Manchmal kommen die großen Themen ziemlich unvermittelt. „Weißt was ich später mal werden will?,“ fragt mich meine fünfjährige Tochter Helena, „Abenteuerin oder Entdeckerin!“ Helena und ich teilen eine lebendige Leidenschaft für Bergwelten. Wir haben zusammen schon so manchen Gipfel bestiegen. Helena war Feuer und Flamme, als sie die Abenteuerbiografie der Vulkanforscherin Ulla Lohmann entdeckt hat. „Ich bin gerne in den Bergen und Vulkane sind ja auch Berge. Deshalb interessiert mich das Buch.“ Und deshalb haben wir das Buch gemeinsam gelesen. Kalte Winterabende sind wie gemacht, um sich zwischen Buchdeckeln mit Ulla Lohmann in den Krater eines Südseevulkans abzuseilen. Ihre fesselnd erzählten Erinnerungen machen das jedenfalls möglich.


Don’t dream it – do it!

Ulla Lohmann hat ihrem Buch einen Widerspruch als Leitgedanken vorangestellt. In ihrem Buch löst sich dieser Gegensatz allerdings sehr schnell auf: Ulla Lohmann lebt als Vulkanforscherin und Fotografin ihren Traum. Die Begeisterung für ihr Tun ist in jeder Zeile spürbar – und deshalb ist dieses Buch wirklich wertvoll: Für eine echte Autobiografie ist Ulla Lohmann vielleicht noch etwas jung (Jahrgang 1977). Aber ein Zeugnis ihrer Leidenschaft legt sie allemal ab. Die Faszination für Vulkane erwacht – fast ein bisschen klischeehaft – in Pompeji. Das kleine Mädchen, das an der Hand ihres Vaters staunend durch die Ruinen der vom Vesuv zerstörten Stadt spaziert, entdeckt ihr Lebensthema.


Dabei kommt ihr entgegen, dass Ulla Lohmann gerne weltreist und dabei mit einer eher spartanischen Lebensweise auskommt – zum Beispiel an Bord des kleinen Schiffes Alvei, auf dem sie kurzerhand anheuert. Oder eben in einem winzigen Zelt auf der Südsee-Insel Ambrym, wo der von den vulkanischen Gasen saure Regen wenig einladend ist. Aber die objektiven Entbehrungen, die Ulla Lohmann in Kauf nimmt, wirken nicht wie die bittere Pille, die man eben schlucken muss. Selbst die äußeren Unannehmlichkeiten sind bei Ulla Lohmann Teil des Abenteuers, zu dem auch wechselnde Liebschaften und schließlich die Liebe ihres Lebens gehören. Wie nebenbei vermittelt sie unaufdringlich spannendes Wissen über Südseekulturen – Stichwort: Schwarze Magie – und natürlich über Vulkane.


Manchmal wird es richtig dramatisch. „Besonders aufregend war die die Szene, in der die einheimischen Träger mehr Geld haben wollten und die Forscher schnappen wollten“, sagt meine Tochter Helena. „Ich war ganz gespannt, ob sie es in Flugzeug schaffen.“ Sie schaffen es. Aber das Flugzeug bringt sie nicht für immer weg von Ambrym . Die Sehnsucht ist zu groß und der Ärger der Dorfbewohner ist längst verraucht. Auch wie nahe Ulla Lohmann sich der brodelnden Lava nähert ist beeindruckend – und beeindruckend erzählt. „Ich wusste vorher schon, dass ein Vulkan ein Berg ist, dass es einen Kraterrand gibt, an dem es in die Tiefe geht und dass Lava flüssiges Gestein ist“, sagt Helena. „Aber dass man sich in den Vulkan abseilen kann, wusste ich noch nicht. Ich hatte ein bisschen Angst, dass die Vulkanforscherin dabei in die Lava fällt. Zum Glück ist das nicht passiert.“

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