• Gernot Uhl

Making of: Mit Maria Montessori im Kinderhaus

Warum die italienische Reformpädagogin in die 'Bibliothek der Wagemutigen' passt – und wie ich auf sie gekommen bin



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„Maria Montessori würde gut in Deine Reihe passen!“ Meine Frau (und eine erbarmungslose Kritikerin) wirft mir beim Frühstück einen flüchtigen Satz zu. Sie ist Lehrerin und hat sich mit den Klassikern der Pädagogik beschäftigt. Ich fühle mich ertappt. Maria Montessori? Schon mal gehört. Einordnen kann ich den Namen aber nicht. Peinliches Nachfragen bleibt mir erspart, weil ich mein unsicherer Blick genügt. Ich bekomme einen schnellen Überblick darüber, wie Maria Montessori Kinder und ihre Bedürfnisse ernst nimmt – als kleine Persönlichkeiten, nicht als kleine Erwachsene.


Noch am Frühstückstisch bestellen wir einige Montessori-Biografien und zwei verschiedene Darstellung ihrer Lehre – und natürlich ihre eigenen Standardwerke. Jetzt will ich genauer wissen, wer diese Frau ist. Mit jeder Seite, die ich über sie lese, wird Maria Montessori interessanter: Sie war die erste Frau, die in Italien Medizin studiert hat und promoviert worden ist. Sie hat sich um geistig zurückgebliebene Kinder gekümmert und ihnen zu nie für möglich gehaltenen Lernerfolgen verholfen. Sie war eine Ikone der Frauenbewegung. Und sie hatte kaum für möglich gehaltene Schattenseiten, die in der meist wohlwollenden Montessori-Literatur gerne übersehen oder verharmlost werden. Eine Biografie, die ihr schwieriges Verhältnis zum italienischen Faschismus beschreibt, kann ich zu meinem Erstaunen nur per Fernleihe beschaffen. Und dass Maria Montessori ihr eigenes Kind viele Jahre verleugnet hat, gibt mir auch zu denken.

Maria Montessori ist ein faszinierender Mensch: Ihr Charakter schwankt zwischen mütterlicher Güte und dogmatischer Härte.

Sie ist unglaublich belesen und reflektiert – aber wenn sie ihre Methode durchsetzt, biedert sie sich gerne auch einmal an. Sie lehrt, wie unterschiedlich Kinder sind und beharrt doch darauf, dass ihre eigenen Erziehungsvorstellungen nicht variiert werden dürfen. Und immer wieder riskiert sie was: Das gesellschaftliche Ansehen ihrer Familie gerät ins Wanken, als sie sich einen Studienplatz in der Männerwelt der medizinischen Fakultät erkämpft. Die Früchte ihrer eigenen Arbeit dürfen andere ernten, weil sie sich dagegen entscheidet, nur als Teil eines Ärzteteams zu arbeiten. Ihre erfolgreichen Kinderhäuser stehen mehr als einmal aus politischen Gründen vor schweren Herausforderungen. Während ich das Buch über Maria Montessori geschrieben habe, ist mir mehr als einmal aufgefallen, wie sehr ich die von ihr beschriebenen kindlichen Verhaltensweisen auch bei meinen eigenen Töchtern beobachten konnte. Aus Neugier und Interesse habe wir manche der Montessori-Ideen auch zu Hause umgesetzt – mit verblüffenden Ergebnissen. Ich habe selbst erfahren, wie zeitlos klug ihre Ansätze und Ideen sind. Und auch ihre persönlichen Probleme und die schwierigen Entscheidungen, die sie zu treffen hatte (Kind und/oder Karriere), sind durchaus zeitlos. Das macht ihre Lebensgeschichte spannend und miterlebenswert.

Von alleine wäre ich nicht darauf gekommen, Maria Montessori in die Bibliothek der Wagemutigen aufzunehmen. Aber das ist ja das schöne an Biografien: Man lernt immer neue Leute kennen…

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